Klänge
Ich arbeite mit Klang als Material. Mich interessiert, wie er entsteht, wie er sich im Raum ausbreitet und wie er Wahrnehmung beeinflusst. Dabei geht es nicht nur um Musik im klassischen Sinn, sondern um akustische Situationen: mehrspurig, räumlich gedacht, manchmal improvisiert, manchmal konzeptionell entwickelt.
Meine Projekte bewegen sich zwischen Bühne und Ausstellung. Einige Arbeiten sind als Rauminstallationen angelegt, andere entstehen aus der Erweiterung von Instrumenten oder im Kontext größerer Ausstellungen. Der Fokus liegt dabei weniger auf dem einzelnen Werk als auf dem Zusammenspiel von Klang, Ort und Inhalt.
Klang ist für mich ein Mittel, um Räume zu strukturieren, Stimmungen zu erzeugen und Themen hörbar zu machen – präzise, zurückhaltend oder auch deutlich, je nach Kontext.
Projektbeispiel Mehrkanal Klanginstallation:
”Die Wilhelmsburg - eine akustische Zeitreise
Im Rahmen von „Stürmt die Burg“ entstand im Kehlturm der Wilhelmsburg Ulm eine temporäre, ortsspezifische Mehrkanal-Klanginstallation. Die Arbeit setzte sich mit den unterschiedlichen historischen Phasen der Burg auseinander – von der Erbauung über militärische Nutzung, Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg und den Bombenangriff auf Ulm bis hin zur Nutzung als Flüchtlingsunterkunft, Bundeswehrstandort und den stillen Zwischenzeiten des Verfalls.
Grundlage der Installation war eine intensive historische Recherche in Archiven, Literatur und Zeitzeugenberichten. Auf dieser Basis entwickelte ich eine mehrteilige akustische Dramaturgie, die dokumentarische Elemente mit atmosphärischer Klanggestaltung verband. Historisch fundierte Texte, Originalaufnahmen und eigens erzeugte Klangbilder wurden so arrangiert, dass sich die einzelnen Zeitabschnitte räumlich und inhaltlich erfahrbar machten.
Die Installation umfasste 14 einzeln angesteuerte Lautsprecher, ringförmig im Turm angeordnet. Durch gezielte Ortung und Bewegung im Raum entstand im Innenhof ein immersives Hörbild, das Besucher*innen frei begehen konnten. Ergänzend dazu verfasste ich Ausstellungstafeln, die die jeweiligen Epochen einordneten und das Gehörte historisch kontextualisierten.
Die Arbeit war bewusst an diesen Ort gebunden: Die Klänge trafen auf die originale Architektur. Geräusche von Bauarbeiten, militärischer Präsenz oder herannahenden Flugzeugen standen nicht abstrakt im Raum, sondern begegneten der realen Substanz des Gebäudes, in dem sich diese Geschichte tatsächlich abgespielt hat. Gerade in dieser unmittelbaren Verbindung von Klang und Architektur entstand eine besondere Form der Verdichtung – eine Annäherung an Vergangenes, die nur an diesem Ort funktionieren konnte und außerhalb des Kehlturms ihre räumliche und inhaltliche Wirkung verlieren würde.
Projektbeispiel II
Instrumentenbau für
”Das Traumfresserchen”
Für die Produktion „Das Traumfresserchen“ an der Jungen Bühne Ulm (Premiere Herbst 2025) entwickelte und baute ich ein eigenes Bühneninstrument. Ausgangspunkt war die Idee, die Darsteller*innen die Musik live auf der Bühne erzeugen zu lassen. Statt viele einzelne Instrumente einzusetzen, entstand der Gedanke, verschiedene Klangquellen in einem zentralen, gemeinsam bespielbaren Objekt zu bündeln.
Das über zwei Meter hohe Instrument vereinte eine Vielzahl akustischer Klangmodule: Eine auf den Kopf gestellte Geige wurde über eine Kurbel in Schwingung versetzt und durch Plektren gezupft, ein Saiteninstrument nutzte eine große Metalldose als Resonanzkörper, gestimmte Bodenfliesen bildeten eine Art Marimba, und mehrere Blasinstrumente aus Elektroleerrohren und Küchentrichtern erweiterten das Klangspektrum. Ergänzt wurde das Instrument durch rotierende Klangrohre, eine Windmaschine sowie einen großformatigen Regenmacher. Alle Elemente waren in einer rollbaren Konstruktion zusammengeführt und konnten direkt auf der Bühne von den Darsteller*innen gespielt werden.
Die Klangerzeugung funktionierte vollständig akustisch; Mikrofone und ein Hallgerät erweiterten lediglich die räumliche Wirkung. So entstand ein Instrument, das sowohl melodische als auch geräuschhafte Klänge erzeugen konnte – von spielerisch-leichten Momenten bis hin zu leicht alptraumhaften Klangbildern.
Durch die Verwendung zweckentfremdeter Materialien wie Elektroleerrohren, Bodenfliesen, Küchentrichtern oder Fahrradspeichen entstand nicht nur eine ungewöhnliche Klangpalette, sondern auch ein markantes visuelles Bühnenelement, das Teil der Inszenierung wurde.